
Überlastung von Führungskräften entsteht nicht in einem einzigen Moment. Viel häufiger verschieben sich Grenzen über längere Zeit, oft fast unmerklich. Entscheidungen werden getroffen, Gespräche geführt, Verantwortung übernommen und trotzdem wächst innerlich der Druck, weil kaum noch spürbar ist, was zur eigenen Rolle gehört und wo die eigene Grenze längst ausgedehnt oder überschritten wurde. Genau darum geht es in dieser Folge von „Führung in komplexen Systemen | Macht. Muster. Struktur“.
Ich schaue darauf, warum Überlastung von Führungskräften oft als Engagement, Verantwortungsübernahme und hohe Verlässlichkeit beginnt. Dabei wirken die Anforderungen des Systems ebenso mit wie die jeweilige Führungsrolle, der eigene Anspruch, persönliche Prägungen und frühere Erfahrungen mit Überforderung oder Erschöpfung. Es geht ganz konkret um die Frage, wie Verantwortung, Loyalität und Wirksamkeit sich so eng miteinander verbinden können, dass die eigene Grenze im Alltag immer mehr verschwimmt und verschiebt.
Die Folge nimmt außerdem in den Blick, woran sich diese Verschiebung früh zeigen kann und um einen Blick, der entlastet, ohne etwas kleinzureden. Vieles, was Führungskräfte unter Druck bringt, ist nicht nur persönlich, sondern entsteht im Zusammenspiel von hohen Anforderungen und fehlenden Ressourcen. Deshalb schaue ich auch auf die Stelle, an der Führung wieder wirksam werden kann. Zum Beispiel in der Klärung der eigenen Rolle, in der Sprache oder in der Unterscheidung zwischen dem, was wirklich zur Verantwortung gehört, und dem, was im Lauf der Zeit zusätzlich übernommen wurde.
Die Folge versteht sich als Einladung, genauer hinzuschauen, bevor die eigene Grenze ganz aus dem Blick gerät.
