Weiterdenker-Modell

Das Weiterdenker-Modell bietet eine einfache und schnell umsetzbare Methode zur Verbesserung von Diskussionskulturen. Besonders in Unternehmensumgebungen, wo die Entscheidungsfindung oft durch festgefahrene Denkweisen und ineffektive Diskussionen behindert wird, wo ein „Nein“, „Das geht nicht“ oder „Das haben wir schon immer so gemacht“ schnell ausgesprochen sind, kann die Anwendung dieses Modells einen großen Mehrwert stiften.

Was ist das Weiterdenker-Modell?

Das Weiterdenker-Modell ist eine innovative Diskussionstechnik, die in schwierigen Gesprächssituationen zur Anwendung kommt.

Der Ursprung dieses Modells ist nicht eindeutig geklärt. Ansätze finden sich im Appreciative Inquiry (AI)-Vorgehen. Diese von David Cooperrider und Suresh Srivastva entwickelte Methode fokussiert sich auf positive Aspekte und die Suche nach Lösungen, statt auf Probleme. In diesem Sinne betont auch das Weiterdenker-Modell, wie positive, lösungsorientierte Kommunikation die Gruppendynamik und Innovationskraft verbessert werden kann.

Das Weiterdenker-Modell unterscheidet vier Diskussionstypen: den Oberlehrer, den Diktator/Kleinkind, den Fehlerfinder und den Weiterdenker. Jeder Typ beeinflusst die Diskussion auf eine bestimmte Weise, wobei der Weiterdenker als einziger Typ konstruktive Beiträge liefert, die eine Diskussion voranbringen.

Die vier Diskussionstypen im Detail

Der Oberlehrer

Dieser Typus neigt dazu, Diskussionen zu dominieren, indem er ständig belehrt und seine eigene Meinung als die einzig richtige darstellt. Der Oberlehrer hat oft Schwierigkeiten, andere Perspektiven zu akzeptieren und neigt dazu, Gespräche abzubrechen, wenn seine Meinung herausgefordert wird.

“Es gibt nur eine falsche Sicht der Dinge: der Glaube, meine Sicht sei die einzig richtige.” (Nagarjuna)

Der Diktator/Kleinkind

Diese Art von Diskussionsteilnehmer versucht, die Kontrolle zu behalten, indem er entweder autoritär und dominant oder kindisch und trotzig agiert. Der Diktator/Kleinkind behindert konstruktive Diskussionen durch seine Unnachgiebigkeit und emotionale Reaktionen.

Der Fehlerfinder

Ständig auf der Suche nach Fehlern und Problemen, trägt der Fehlerfinder selten zu konstruktiven Lösungen bei, denn dieser Typus konzentriert sich auf Kritik und Negativität, was die Diskussion oft lähmt und das Finden von Lösungen erschwert.

Der Weiterdenker

Im Gegensatz zu den anderen Typen bringt der Weiterdenker positive, konstruktive Beiträge ein. Er fördert Diskussionen, indem er Ideen aufgreift und weiterentwickelt, stets nach Lösungen sucht und andere dazu ermutigt, ihre Perspektiven und Vorschläge einzubringen.

Ziele und Nutzen des Weiterdenker-Modells

Das Hauptziel des Weiterdenker-Modells ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der innovative Ideen gedeihen können. Durch die Anwendung werden:

  • Perspektiven in der Diskussion erweitert,
  • der Fokus auf kreative und praktikable Lösungswege verändert,
  • eingefahrene Lösungsversuche durch das Akzeptieren und Anreichern mit neuen Ideen verbessert.

Das Weiterdenker-Modell setzt genau dort an und verbessert somit nicht nur die Qualität der Gespräche und Diskussionen, sondern auch die Innvationskraft und den kreativen (Team)Geist.

So kannst Du als Führungskraft das Weiterdenker-Modell ganz einfach und praktisch anwenden

Beispiel 1: Neuproduktentwicklung

In einem Meeting zur Entwicklung neuer Produkte kannst Du das Weiterdenker-Modell anwenden, um jedem Teammitglied die Möglichkeit zu geben, Ideen frei zu äußern. Anstatt Vorschläge sofort abzulehnen, werden diese mit “Ja, und…” ergänzt, was zu einer vielfältigeren und umfassenderen Ideensammlung führt. So können durch die positive und aufbauende Gesprächskultur innovative Ideen entwickelt werden, die vorher nie in Betracht gezogen wurden.

Beispiel 2: Lösung von Kundenbeschwerden

Hier kann das Weiterdenker-Modell einen guten Einstieg in eine konstruktivere Bewertung von Kundenfeedback bieten und innovativere Ansätzen zur Problemlösung eröffnen. Kundenfeedback kann damit als Chance zur Verbesserung gesehen werden, anstatt als Kritik.

Beispiel 3: Teamentwicklungsworkshop

In Workshops zur Teamentwicklung kann das Weiterdenker-Modell angewendet werden, um die Zusammenarbeit und Kommunikation im Team zu stärken. Im ersten Schritt stellst Du den TeilnehmerInnen das Modell und die verschiedenen Diskussionstypen vor, um sie im Anschluss zu ermutigen, sich selbst zu reflektieren und im Weiterdenker-Modus zu agieren. So lernen Deine Teammitglieder konstruktiv und lösungsorientiert zu diskutieren, was zu effizienteren und kreativeren Lösungen führt.

Fazit

Das Weiterdenker-Modell bietet eine vielversprechende Lösung für die häufigen Herausforderungen in Teamdiskussionen, bei der Lösungsfindung und in Entscheidungsfindungsprozessen. Durch die Förderung einer Kultur des “Ja, und…” können die TeilnehmerInnen nicht nur die Qualität der Diskussion verbessern, sondern auch die Innovationsfähigkeit und die allgemeine Produktivität steigern.

Zudem ist es einfach auszuprobieren und somit sehr schnell erlebbar, wie eine kleine Veränderung in der Art der Kommunikation große Wirkung entfalten kann.

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