
Widerspruch im Führungsteam bleibt oft genau dann aus, wenn er gebraucht würde. Ein Beispiel: Eine Bereichsleiterin stellt in der wöchentlichen Runde die neue Homeoffice-Regelung vor und sagt gleich dazu, dass sie drei feste Bürotage gut findet. Dann fragt sie: „Gibt es Einwände?“ Kein Widerspruch. Wochen später zeigt sich in den Teams deutlicher Widerstand und die Bereichsleiterin ist überrascht.
In der neuen Folge von „Führung in komplexen Systemen | Macht • Muster • Struktur“ gehe ich der Frage nach, wie es so weit kommen konnte. Die Folge knüpft an die vorherige Folge „Der Preis des Widerspruchs“ an. Dort folgte ein Team nach einiger Zeit ungeprüft der KI-Empfehlung. In der Führungsrunde folgen die Abteilungsleitungen der ranghöchsten Person am Tisch.
Ich schaue dafür auf drei Ebenen. Bei der Macht geht es um Abhängigkeit und um den Anker, den eine Führungskraft setzt, wenn sie ihre Meinung äußert, bevor sie fragt. Bei den Mustern geht es um Gesichtswahrung und um pluralistische Ignoranz. Jede Abteilungsleitung erlebt Unmut im eigenen Team und hält das Problem für ihr eigenes, weil alle anderen schweigen. Bei Struktur und Kultur geht es um die ungeschriebenen Regeln einer Runde und um die Frage nach Einwänden, die in der Praxis oft rhetorisch bleibt.
Auch psychologische Sicherheit ist Thema. Ich beschreibe sie als Ergebnis dieser Faktoren. Sie fehlt, weil Widerspruch einen Preis hat und die ranghöchste Person zuerst spricht.
Am Ende gibt es Impulse für Führungskräfte, die eine solche Runde leiten, und für alle, die an der Seite des Tisches sitzen und Widerspruch im Führungsteam einbringen wollen, ohne eine fertige Gegenposition verteidigen zu müssen.
