Intuition - die große Unbekannte

Was ist Intuition? Was kann sie und wie finden wir den Zugang zu ihr? Auf diese Fragen gibt Dir dieser Artikel Antworten und Denkanstöße.

Was ist Intuition?

Streng genommen ist sie die Fähigkeit, Einsichten zu erlangen, ohne den Verstand einzuschalten. Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Intuition „Nach innen schauen“.

Kennst Du das, dass Du plötzlich einer Eingebung folgst, wenn Du Dich entscheiden musst? Oder dass Du plötzlich eine Idee hast, von der Du denkst, dass Du darauf nie hättest kommen können?

Intuition äußert sich auf unterschiedlichste Arten und Weisen. Sie kann – wie beschrieben – als spontane Einsicht oder Erkenntnis auftreten, wird oft mit dem Bauchgefühl gleichgesetzt, manche haben sogenannte Geistesblitze, für andere ist sie schlicht der gesunde Menschenverstand. Intuition kann sich auch als Vorahnung bemerkbar machen oder wenn wir plötzlich kreative Problemlösungen finden oder Entscheidungen treffen, deren Gründe für uns im Unbewussten liegen.

So richtig ernsthaft über Intuition wird eigentlich erst gesprochen, seit der Psychiater Carl Gustav Jung und die Psychotherapeutin Ruth Cohn ihr sich aus wissenschaftlicher Perspektive widmeten. Das ist mittlerweile 100 Jahre her.

Bei der Intuition geht es nicht um die Sammlung und Bewertung von Zahlen, Daten und Fakten. Es geht vielmehr um das große Ganze, das Gesamtbild quasi. Das präzise Abwägen von Einzelaspekten entspringt unserem Verstand und dem Denken. Die Intuition kommt aus dem Unbewussten, ist verschwommener, ungenauer.

„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“
— Albert Einstein —

Was ist besser: Dem bewussten Verstand oder der unbewussten Intuition folgen?

Diese Frage trennt! Sie trennt unseren Körper, unser Sein in zwei Aspekte und unterstellt, dass wir uns entscheiden müssten. Dem ist aber nicht so! Sicherlich gibt es Situationen, in denen wir intuitiv entscheiden und damit vollkommen richtig liegen. Und es gibt Situationen, in denen wir Bewertungen vornehmen oder Entscheidungen treffen, die allein auf unserem Denken beruhen.

In den vielen Fällen jedoch werden wir beide Aspekte brauchen. Wir schließen keines von beiden vollkommen aus. Das äußert sich oft so, dass wir ein Gefühl haben und dieses mit Fakten untermauern oder widerlegen.

„Unser Herz gibt die Richtung vor, für die unser Verstand den Weg planen kann.“
(Marlen Marks)

Mittlerweile gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass wir in komplexeren Situationen dank unserer Intuition zu besseren Entscheidungen kommen. Unser Verstand scheint dann nicht mehr in der Lage, alle Eventualitäten, Zahlen, Daten und Fakten so zu sortieren, dass wir in der Lage sind, eine für uns richtige Entscheidung zu treffen. Spannend, oder?

Doch wie können wir nun die Intuition im Alltag bewusster nutzen?

  1. Erfahrungsschatz nutzen

Intuition ist zum Teil angeboren. Aber zuallererst ist wichtig zu wissen, dass unsere Intuition immer dann besonders gut funktioniert, wenn wir aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen können. Verfügen wir dagegen über wenig bis gar keine Erfahrungen, ist das Abwägen der Vor- und Nachteile, das bewusste Nachdenken und Bewerten zuverlässiger.

Unser Gehirn kann nur einen kleinen Teil der einströmenden Informationen wirklich verarbeiten.

„Der Hirnforscher Gerhard Roth schätzt, dass uns weniger als 0,1 Prozent dessen, was das Gehirn tut, aktuell bewusst wird. Der enorme Rest wird unbewusst erledigt. Das Unbewusste kann somit eine Vielzahl von Informationen gleichzeitig verarbeiten. Das ist ein großer Vorzug, geht aber auch mit einigen Nachteilen einher.“
(Quelle: www.zeit.de/zeit-wissen)

  1. Ruhe

Unsere Intuition entspringt auch unserem „kreativen Geist“, der immer dann laut wird, wenn wir in der Ruhe, wenn wir in unserer Mitte sind. Dazu braucht es das Bewusstsein darüber, wie sich „unsere Mitte“ anfühlt.

Bestimmt kennst Du das, dass Dir plötzlich Ideen in den Sinn kommen, wenn Du unter der Dusche stehst oder den Abwasch machst? Nicht immer muss es die tiefe Meditation sein. Manchmal reicht es, wenn wir uns mit Routinetätigkeiten, bei denen die Handgriffe ohne nachzudenken ablaufen, beschäftigen und unser Geist frei ist. Dafür braucht es neben der Ruhe die Achtsamkeit.

  1. Achtsamkeit

Wenn wir uns auf den Moment fokussieren, der gerade ist und nicht mit unseren Gedanken in der Vergangenheit oder Zukunft befinden, sind wir achtsam für das, was gerade geschieht. Dann wird unser Geist frei und die spontanen Einsichten fließen zu uns.

Achtsamkeit kannst Du trainieren. Jeden Tag. Und Du kannst sie sogar jeden Tag mehr trainieren.

Anfangen könntest Du beispielsweise direkt beim morgendlichen Duschen: Fühle das Wasser auf Deiner Haut. Wo trifft es auf? Wie fühlt es sich an? Woher fließt das Wasser zu Dir? Durch welche Rohre und Kanäle musste es bis es bei Dir ankommt? Aus welcher Quelle entspringt es?

Oder Du trainierst Achtsamkeit bei Deiner Tasse Tee oder Kaffee. Statt Dich mit dem Scrollen auf dem Handy abzulenken, während des Trinkens mit anderen zu reden oder etwas zu essen, könntest Du Dein Getränk ganz bewusst genießen. Suche Dir eine besonders schöne Tasse aus. Sei achtsam schon in der Zubereitung. Fühle, wie Du den Kaffee oder Tee auswählst, beobachte, wie Du das Wasser erhitzt. Beim Trinken konzentriere Dich voll und ganz auf den Geschmack, den Geruch, die Wärme. Vielleicht fühlst Du sogar, wie sie durch Deinen Körper strömt?

  1. Trainiere Deine Intuition

Versuche im Alltag immer und immer wieder darauf zu achten, wann Du intuitiv vorgehst oder Entscheidungen triffst. Das ist viel häufiger der Fall, als Du denkst. Je bewusster Du Dir dessen wirst, desto eher kannst Du den Zugang zu ihr wahrnehmen, wenn es laut um Dich herum ist oder Du im Stress bist.

Und zum Abschluss noch ein paar ehrliche Worte aus meinem Herzen…

Meiner Meinung nach gibt es den homo oeconomicus nicht. Wir sind Menschen mit Gefühlen, bewussten und unbewussten Konditionierungen und einfach mal richtig komplexe Wesen. Wer entscheidet darüber, was richtig und falsch ist? Sind das wirklich die Zahlen, Daten und Fakten? Für eine 100% rationale und aus unserer Sicht richtige Entscheidung bräuchten wir allumfassendes Wissen. Das haben wir nie – zu keinem Zeitpunkt. Wir wissen nicht, was es neben dem, was wir kennen, was uns aktuell zugänglich ist, noch gibt.

Unser intuitives Wissen kann uns als Lebenskompass in vielen Fällen die Richtung weisen, wenn wir es wahrnehmen und darauf hören. Dem Denken können wir dann getrost das Lösen logischer Probleme überlassen…

2 Comments

  1. Dorothea 20. Juli 2022 at 16:23 - Reply

    Wunderbar! Das ist es, was wir alle wieder lernen dürfen und was unserer Welt nach meiner Einschätzung fehlt. Paßt auch sehr gut zum Thema Vipassana, mit dem ich mit heute beschäftigen durfte. Ich wünsche viel Menschen die Begegnung und Arbeit mit Dir, liebe Marlen, damit wir wieder mit mehr Liebe und Selbstvertrauen unterwegs sein und uns begegnen dürfen. Danke Dir von Herzen! Dorothea

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