House of Change

Hast Du Dir auch schon einmal folgende Fragen gestellt:

  • Wie reagieren einzelne Mitarbeiter auf die Veränderungen?
  • Wie beeinflussen die Veränderungen die Teamdynamik?
  • Gibt es Konflikte oder Widerstände innerhalb der Teams?
  • Gibt es Anzeichen von Apathie oder Desinteresse in Bezug auf die Veränderungen?
  • Sind Mitarbeiter möglicherweise überlastet oder fühlen sie sich überfordert?

Durch das systematische Stellen solcher Fragen gewinnst Du einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Aspekte Deines Veränderungsprozesses.

„Change before you have to.“
(Jack Welch)

Unterstützend hierfür kann das „House of Change“ dienen. Das Haus der Veränderung besteht aus vier verschiedenen Zimmern, die jeweils einen expliziten Schwerpunkt im Veränderungsprozess ins Zentrum der Betrachtung rücken. Dabei wird der Fokus vom Individuum auf das Zusammenspiel von Mitarbeiter:innen, Führungskräften und der Organisation als Ganzes gelenkt. Jeder Raum wird im Rahmen der Veränderung betreten, die Verweildauer kann jedoch sehr unterschiedlich sein.

Durch die Visualisierung des „House of Change“ gelingt es Führungskräften, individuelle und Teamdynamiken greifbar zu machen und dazu passende Strategien zu entwickeln, um die Herausforderungen zu bewältigen und positive Veränderungen zu fördern.

Ein Modell der theoretischen Psychologie

Das Modell basiert auf einer Theorie, die verschiedene Phasen von Veränderungen beschreibt. Sie wurde erstmals von einem Forscher namens Claes F. Janssen, einem schwedischen Psychologen, in den 90er Jahren vorgestellt. Janssen entwickelte die “Four Rooms of Change” ursprünglich für den Einsatz in der therapeutischen Beratung.

Später wurde sein Ansatz von Paul Kirkbride und Kollegen unter dem Namen “The Change House” weiterentwickelt. Ihr Fokus lag darauf, Janssens Ideen im Management anzuwenden. Dabei verschoben sie den Schwerpunkt vom Individuum auf das Zusammenspiel von Mitarbeitern, Führungskräften und der Organisation als Ganzes.

Hinweis: Zusätzlich werden häufig auch Räume wie der Sonnenbalkon, der Kerker der Ablehnung sowie das Loch der Erstarrung (Paralyse) erwähnt, welche als extrem ausgeprägte Varianten einzelner Räume gelten. In diesem Blogartikel wird nicht auf diese Spezialisierungen eingegangen, um den Lesefluss und die Verständlichkeit zu wahren.

Das Change House-Modell ist auch unter Bezeichnungen wie „House of Change“, „Haus des Wandels“ und „Haus der Veränderung“ bekannt.

Ein Blick in die verschiedenen Zimmer des ‚House of Change‘

House of Change

Das Zimmer der Zufriedenheit

Das erste Zimmer ist das ‚Zimmer der Zufriedenheit‘. Hier möchten wir das Erreichte, das Komfortable erhalten und machen das Beste aus der uns bekannten Situation, ohne uns unter Druck zu setzen. Wir fühlen uns sicher und sind Herr der Dinge. Diesen Status quo möchte man natürlich möglichst lange nicht verlassen, außer, eine ungewohnte Erfahrung oder sich ändernde Umstände bzw. Rahmenbedingungen zwingen uns förmlich dazu.

Das Zimmer der Verleugnung

Dann möchten wir uns aber lieber nicht eingestehen, was da Unangenehmes vor sich geht und vermeiden gänzlich die Auseinandersetzung. Also gehen wir ins zweite Zimmer, das ‚Zimmer der Verleugnung‘ und Verneinung, um dort so zu tun, als sei alles in Ordnung, als hätten wir alles im Griff. Ganz im Innern empfinden wir jedoch Unbehagen und Frustration, hin und wieder sogar Angst. Nach außen wird dann oft Trotz und Widerstand sichtbar.

Mehr und mehr muss man Augen und Ohren vor den Signalen der Unzufriedenheit verschließen. Kann sein, dass man in einem Akt der Verzweiflung (wenn die Abwehr langsam bröckelt) versucht, direkt vom ‚Zimmer der Zufriedenheit‘ in das ‚Zimmer der Erneuerung‘ zu gelangen, was aber leider nicht gelingt.

Das Zimmer der Verwirrung

Irgendwann sind wir dann so weit, uns selbst einzugestehen, dass wir frustriert sind und nicht mehr wissen, was wir tun sollen. Dann sind wir im ‚Zimmer der Verwirrung‘ angekommen. Im ‚Verwirrungszimmer‘ muss man sich warm und sturmdicht anziehen, denn es ziehen die schweren Wolken der Konfusion und des Chaos auf. Geltende Regeln sind außer Kraft gesetzt und das Neue noch nicht in Sicht. Wir erleben eine emotionale Berg- und Talfahrt.

„Allen großen Veränderungen geht ein Chaos voraus.“
(Deepak Chopra)

In dieser Phase werden Menschen nur dann vorwärts gehen, wenn sie einerseits sicher sind, dass das Vergangene wirklich nicht weiterhilft und wenn es zumindest eine Ahnung des Neuen gibt – so etwas wie ein Bild der gewünschten Zukunft. Je stärker diese Vision ist, desto leichter ist es, die unvermeidliche Konfusion und das belastende Chaos auszuhalten. Das ‚Verwirrungszimmer‘ ist für den Gesamtprozess vielleicht das entscheidende, denn hier geschieht das eigentliche Lernen.

Das Zimmer der Erneuerung

Allmählich lichten sich dann die Wolken und man gelangt in das vierte ‚Zimmer der Erneuerung‘. Hier wird das Neue in die Tat umgesetzt und ausprobiert. Es werden neue Erfahrungen gemacht und aus scheinbaren Rückschlägen gelernt. Es kehrt das Gefühl der (Selbst-) Sicherheit, der Orientierung und der Handlungsfähigkeit langsam zurück. Dann ist es an der Zeit, die Tür zum ‚Zimmer der Zufriedenheit‘ zu öffnen – die nächste Runde der Veränderung kann beginnen.

Ein Modell wie geschaffen für die praktische Anwendung

Abschließend zeigt das “House of Change” als praxisbewährtes Modell einen klaren Weg durch die verschiedenen Phasen des Veränderungsprozesses. Die vier Zimmer – Zufriedenheit, Verleugnung, Verwirrung und Erneuerung – spiegeln die emotionalen Höhen und Tiefen wider, die in jedem Wandel auftreten können.

Die Visualisierung ermöglicht Führungskräften, gezielt auf individuelle und teambezogene Dynamiken einzugehen, um wirksame Strategien zur Bewältigung von Herausforderungen zu entwickeln. Durch das Verständnis und die Anwendung dieses Modells wird der Weg zu nachhaltiger Veränderung geebnet.

Willkommen im House of Change, wo der Wandel nicht nur sichtbar wird, sondern auch aktiv gestaltet werden kann.

Passend dazu: Veränderungen verstehen – Die sieben Phasen des Wandels, Wege zum Erfolg – Der “Cycle of Change” nach Rick Maurer

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